Absatzmärkte und Lieferketten globalpolitisch gedacht – Deutsche Interessen in China und Indien im Zeichen des China-USA Konflikts

Im Laufe der Covid-19 Pandemie hat sich der bereits seit einigen Jahren schwelende Handelsstreit zwischen China und den USA dramatisch verschärft. Die verstärkte Politisierung des Konflikts zeigte sich zuletzt in neuen handelspolitischen Instrumenten der USA gegen chinesische Interessen und in amerikanischen Überlegungen, Produktionsstätten und Lieferketten aus China zu verlagern. Als Nutznießer aktueller Diskussionen steht zunehmend Indien im Mittelpunkt. Die USA sehen Indien nicht nur als politisch-militärischen Partner in der Region, sondern investieren dort auch in den Bereichen IT- und Hochtechnologie.

Die veränderte politische Diskussion bedeutet zunächst keine unmittelbare wirtschaftliche Veränderung für Deutschland und Europa im Verhalten gegenüber China oder Indien. Allerdings werden hierzulande die politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands bei diesen Entwicklungen und an den beiden Ländern noch zu wenig diskutiert.

CEO Volker Friedrich moderiert die BWA Podiumsdiskussion

Als Vorsitzender des Ausschusses für Außenhandel und Investitionen des Bundesverbandes für wirtschaftliche Entwicklung und Außenhandel (BWA) hatte unser Vorstandsvorsitzender Volker Friedrich das Vergnügen, in Zusammenarbeit mit dem Kölner Forum für Internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik, dem Verband der indischen Industrie und dem CGGT China Going Global Think-Tank, in Zusammenarbeit mit dem Asia Berlin Summit, am 23. September 2020 im renommierten International Club in Berlin eine hochkarätige Podiumsdiskussion zu moderieren (KFIBS eV). .

Über das Event

Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Events waren, wie im Bild von links nach rechts zu sehen: Dr. Stefan Tetzlaff, Johannes Pflug, Dr. Xizhen Wang, Michael Schumann, Dr. Johannes Weisser, Lakshmi Lalita Mohan and Volker Friedrich

Die Veranstaltung begann mit einer Keynote von Dr. Stefan Tetzlaff, der einen Überblick über aktuelle Handelsbezeihungen zwischen China, den USA, Indien und Deutschland gab und die gegenwärtige Diskussion über den Handelskrieg zwischen den USA und China in einen historischen und gegenwärtigen Kontext stellte. Die Panelmitglieder konzentrierten sich gleichermaßen auf Indien und China und bewerteten die Situation aus politischer, bilateraler und unternehmerischer Sicht.

Die zentralen Thesen

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Die Schlagzeilen und Twitter-Nachrichten der Medien sind alle sehr oberflächlich und wir alle vermissen eine tiefe und faktenbasierte Diskussion. Die Welt ist zu komplex, um sie in 160 Zeichen zu fassen.
  2. Unabhängig vom Ergebnis der Präsidentschaftswahlen am 3. November in den USA wird der Handelskonflikt weitergehen, wobei eine Biden-Regierung bei Verhandlungen mit China mächtiger wäre. Hierbei sehen wir einen einheitlicheren „Westen“ mit den USA und Europa, der gemeinsam einen faireren Handel, ethische und ökologische Standards und eine transparente Lieferkette vorantreibt.
  3. Indien gewinnt derzeit durch mehr ausländische Direktinvestitionen, insbesondere aus den USA (zum Beispiel investieren Apple und Facebook derzeit stark in Indien). Das starke Bündnis zwischen den beiden Ländernauch unterstrich auch der Staatsbesuch von Präsident Trump Anfang des Jahres. Indien hat zwar noch eine Herausforderungen vor sich, insbesondere bei der Entwicklung der Infrastruktur, aber das Land ist auf dem richtigen Weg. Umfragen haben beispielsweise gezeigt, dass sich die allgemeine Geschäftsabwicklung vor Ort dramatisch verbessert hat (vom 136. auf den 74. Platz).
  4. Deutschland ist in der Mitte gefangen und spielt immer noch eine gemäßigte Rolle als Freund und Unterstützer Chinas, Indiens und der USA. Die Mehrheit unserer Zuhörer stimmte jedoch zu, dass Deutschland für den Fall, dass sich die Beziehungen zu den USA verschlechtern, einen Plan B haben muss. Das neue deutsche Konzept der indopazifischen Partnerschaft hebt diese Optionen bereits hervor.
  5. Die Europäische Union wurde heftig dafür kritisiert, dass sie keine stärkere Rolle spielt. Sogar der große „Green Deal“, der Anfang 2020 angekündigt wurde, scheint ein Tiger ohne Zähne zu sein. Europa und Deutschland müssen neue Ideen, Lösungen, Produkte und Dienstleistungen enwtickeln und werden nicht wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie alte Geschäftsmodelle der stationären Industrie um jeden Preis am Leben erhalten wollen, während das IT-, KI- und Big-Data-Geschäft, die von China, Indien und den USA gefördert werden, auf der Überholspur ist.

Was haben wir daraus gelernt?

Letzendlich waren wir uns alle einig, dass eine freundschaftliche und respektvolle Partnerschaft das wünschenswerteste Ergebnis ist und, dass diese Art und Weise miteinander zu sprechen und zu kommunizieren, zu einer neuen Normalität werden sollte. Die Welt und alle Nationen kämpfen gegen die Auswirkungen von COVID 19, und während in China bereits wieder alles normal zu sein scheint, sind die Früchte einer 20-jährigen erfolgreichen Globalisierung wahrscheinlich in Gefahr. Eine einfache protektionistische Politik in den USA, China, Indien oder Europa wird mehr Verlierer als Gewinner hinterlassen.

Darüber hinaus brauchen wir kreative Ideen, um neben China, Indien und den USA wettbewerbsfähig bleiben zu können.

 

 

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