Podcast

In dieser Folge diskutieren Jari Hietala und Volker Friedrich über Malaysias Produktionstrends und was das Land zu einem attraktiven Ziel für Unternehmen macht, die auf globaler Ebene expandieren wollen.

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Asian Insiders

Manufacturing In Malaysia Overview

Transkript

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Jari Hietala

Hallo allerseits, willkommen zum Asian Insiders-Podcast, in dem wir wertvolle Einblicke in aktuelle Trends und Geschäftsmöglichkeiten im asiatisch-pazifischen Raum geben.

Mein Name ist Jari Hietala und heute ist unser Malaysia-Experte und Asian Insiders-Partner, Volker Friedrich, mit uns im Gespräch. Gemeinsam mit Volker diskutieren wir über die Produktion in Malaysia und die damit verbundenen Risiken und Chancen, vor allem für europäische Unternehmen. Mit diesem einleitenden Wort möchte ich Volker die erste Frage stellen.

Könnten Sie uns bitte einen kurzen Überblick über die Produktionssituation in Malaysia geben?

Volker Friedrich

Hallo Jari, vielen Dank für die Einführung. Ich lebe und arbeite seit fast 20 Jahren in Malaysia und daher haben wir einen sehr guten Überblick darüber, was in Malaysia passiert und wie sich die Lage im Laufe der Zeit entwickelt hat. Malaysia befindet sich in einer strategisch sehr guten Lage im Vergleich zwischen den südostasiatischen Nationen. Zwischen Thailand im Norden und Singapur im Süden.

Aber um das Produktions-Gewerbe zu verstehen, muss man auch schauen, was uns die Geschichte darüber erzählt. Malaysia war ursprünglich ein Agrarland. In den 60er und 70er Jahren entwickelte es sich dann weiter und viele Elektronikunternehmen gingen für die Produktion nach Malaysia. Heute wird die Wirtschaft in Malaysia kontinuierlich besser und ist nicht mehr nur ein billiger Produktionsstandort, sondern drängt wirklich auf eine wissensbasierte Wirtschaft. Alle Schlagworte der modernen Fertigungstechnologie wie künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, Big Data… sind die Themen, die in Malaysia heute wirklich aktuell sind. Doch neben dem Standort gibt es noch andere Faktoren, die die Fertigungsindustrie unterstützen.

GBP International kooperiert mit einer Vielzahl an Automobillieferern, über Hersteller elektronischer Komponenten bis hin zu Dienstleistungsunternehmen. Malaysia verfügt mittlerweile über eine sehr interessante und gute Infrastruktur. Dies bietet eine ideale Grundlage für alle Unternehmen, die versuchen im Ausland zu produzieren.

Zusätzlich hat Malaysia aufgrund der Freihandelsabkommen zwischen den ASEAN-Staaten auch einen sogenannten “regional Hub”. Eine ganze Reihe von Unternehmen nutzen Malaysia als Zentrum für Geschäfte in Südostasien. Darüber hinaus sehen wir aktuell spannende Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung & E-Commerce. Malaysia ist also ein sehr solides Land, wenn es darum geht, Produktionsstandorte an Unternehmen aus Europa zu vermitteln.

Jari Hietala

Ja, danke Volker. Natürlich ist Malaysia mit diesen Visionen nicht allein. Auch  Nachbarländer wie Thailand oder Vietnam haben es recht erfolgreich geschafft ausländische Hersteller von ihrem Land zu überzeugen. Aus verschiedenen Gründen verlagern immer mehr Unternehmen die Produktion ins Ausland oder gleichen das Produktionsportfolio an das von China an. Gleichzeitig sind Chinas Ausgaben erheblich gestiegen und Vietnam, Thailand oder sogar Malaysia bieten preisgünstige Alternativen für die Herstellung. Aber wir können später auf Ländervergleiche zurückkommen. Zunächst möchte ich Sie fragen, was Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Malaysia sind, um das Produktions-Gewerbe weiterzuentwickeln.

Volker Friedrich

Nun, es gibt in jedem Land viele Herausforderungen. Und vor allem, wenn wir heute (Anfang Juni) sprechen, haben wir immer noch mit den Herausforderungen des Coronavirus und der Frage, wie Unternehmen zu einer neuen Normalität zurückkehren können, zu kämpfen. Aber abgesehen von den Auswirkungen von Corona… In den letzten Jahren konnten wir sowohl interne Herausforderungen, als auch externe Herausforderungen beobachten.

Die internen Herausforderungen möchte ich zuerst ansprechen. Wir arbeiten mit vielen Stakeholdern zusammen und führen regelmäßig Umfragen unter deren Unternehmen durch. Ohne Ausnahme ist die Antwort auf die Frage, was die größte Herausforderung für Unternehmen auf operativer Seite ist, immer eine gut ausgebildete Belegschaft zu einem vernünftigen Preis. Wir sehen, dass in China oder in jedem anderen südostasiatischen Land qualifizierte Ingenieure und hochrangige Managementkräfte für die meisten Unternehmen das größte Problem darstellen. Wir sehen eine Menge Job-Hopping und, dass viele Unternehmen Ressourcen in Schulungen und Weiterbildung investieren und sobald die Belegschaft die Ausbildung absolviert haben, werden sie von Konkurrenten für 100 oder 200 Dollar mehr abgeworben. Das ist eine der Herausforderungen, die ich hervorheben möchte, denn es gibt auf dieses Problem keine einfache Antwort.

In Bezug auf die externen Herausforderung geht es natürlich um den Wettbewerb zwischen den ASEAN-Ländern, was ein sehr interessantes Phänomen darstellt, welches es genauer zu analysieren gilt. Einerseits sehen wir die ASEAN als einen einheitlichen Block südostasiatischer Länder, die versuchen mehr Verhandlungsmacht zu erlangen, beispielsweise in Bezug auf Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union, China oder den USA. Andererseits kümmert sich jedes Land zuerst um die eigenen Interessen.

Es gibt also einen ständigen Wettkampf um die Anwerbung europäischer Unternehmen. An einem Tag wirbt Malaysia für seinen Standort, am nächsten Tag Singapur, eine Woche danach dann Thailand. Jedes Land versucht sein eigenes Marketing zu betreiben, wobei die Länder oft untereinander in starkem Wettbewerb stehen. Wer gibt den besseren Steuersatz, verpachtet das billigere Land oder bietet die besten Forschungsstipendien, und Ähnliches…

Das wird auch nicht aufhören. Und Malaysia ist, würde ich sagen, irgendwo in der Mitte positioniert. Wenn ich die Qualität der Roadshows mit der Qualität der Präsentationen vergleiche, fällt Singapur am positivsten auf, gefolgt von Hongkong. Und dann folgen Länder wie Malaysia, Thailand, Vietnam und Indonesien. Sie alle haben Minister für internationalen Handel und Industrie ausgebildet und alle versuchen, Investoren davon zu überzeugen, ihr Geschäft im jeweiligen Land einzurichten.

Doch am Ende des Tages ist das meine Erfahrung: Es geht um persönliche Beziehungen. Denn natürlich verlagern große Unternehmen ihre Hauptstandorte in Länder, wo Kosten für Geschäftstätigkeit und Qualität der Arbeitskräfte in dem besten Verhältnis zueinander stehen. Dass die jeweiligen Länder ihren Partnern einen entsprechenden Rahmen ermöglichen, ist also genauso ein Soft-Faktor, wie die Lebensqualität der Mitarbeiter, mit oder ohne Familie. Das ist also auch interessant zu beobachten.

Jari Hietala

Absolut. Ich denke, nachdem wir Studien durchgeführt und Insider-Infos verglichen haben, gibt es ziemlich viele standortbezogene Herausforderungen für europäische Unternehmen, bei denen wir die Bedingungen aus der Sicht eines einzelnen Unternehmens vergleichen und auf die jeweilige Situation vor Ort abstimmen müssen. Es gibt also keine einfache Standardantwort auf die Frage in welchem Land die besten Chancen für ein Unternehmen liegen. Das hängt sehr stark von dem Unternehmen, über das wir sprechen, ab. Zusätzlich ist natürlich die Bedeutung des Inlandsmarktes für den Standort einer Fabrik ausschlaggebend.

Volker Friedrich

Eine Sache möchte ich noch hinzufügen. Denn wir sehen auch, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren bestimmte Branchen Cluster aufgebaut haben. Zum Beispiel für die Automobilversorgung würde ich sagen, dass Thailand ein guter Ort ist, denn es gibt bereits viele Unternehmen aus der ganzen Welt, die in der Region Rayong produzieren … In Malaysia zum Beispiel gibt es dagegen sehr gute Fabriken für die Herstellung elektronischer Komponenten und medizinischer Geräte. Singapur ist attraktiv für alles, was im F & E Bereich liegt oder mit Versicherungen und Finanzen zu tun hat. Jedes Land hat also je nach Branche individuelle Vor- und Nachteile.

Jari Hietala

Genau. Übrigens wenn jemand von Ihnen zuhört und Sie mehr erfahren und Perspektiven für Ihr Unternehmen erhalten möchten, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir freuen uns sehr unsere Erfahrungen mit Ihnen zu teilen und Sie kompetent zu beraten.

Fahren wir mit der nächsten Frage fort. In vielen Ländern, nicht nur in Malaysia, spielt die Regierung eine wichtige Rolle wenn es um Investitionsförderung und die Einladung ausländischer Investoren in das Land geht. Wie würden Sie die Rolle der malaysischen Regierung in dieser Hinsicht beschreiben?

Volker Friedrich

Malaysia verfolgt grundsätzlich eine sehr liberale Politik, wenn es darum geht, ob Sie hundertprozentig an Ihrer Tochtergesellschaft oder dem Joint Venture-Unternehmen vor Ort beteiligt sein dürfen. Unabhängig davon, ob Sie eine Beteiligungs-Mehrheit haben oder nicht. Aber es gibt natürlich immer Ausnahmen. Wenn Sie beispielsweise in Malaysia Geschäfte in der Öl- und Gasindustrie tätigen möchten, müssen Sie sich mit dem etablierten Unternehmen PETRONAS befassen, das zu 100% in staatlichem Besitz ist.

Wenn Sie Ausschreibungen machen möchten, beispielsweise bei Ministerien oder in Eisenbahnen, gibt es in Malaysia immer eine Hürde, die wir als “Bombay Put Route Policy” bezeichnen. Obwohl es vielleicht nicht im Gesetz steht, aus praktischer Sicht ist es immer gut, einen lokalen Partner zu haben, der mit einer Regierungsorganisation verbunden ist.

Ich denke das versteht sich von selbst, aber wenn Sie zum Beispiel in den Verteidigungssektor einsteigen wollen, gilt die gleiche Regel: Sie müssen sich mit der Regierung und den örtlichen Gesetzen genauestens befassen. Genau deshalb brauchen Sie Menschen, die in engem Kontakt zu dem jeweiligen Land stehen und mit den Regelungen vor Ort vertraut sind, sowie bereits viele Jahre Erfahrung sammeln konnten.

In Malaysia spielt die Regierung in der Gesamtwirtschaft und dem BIP, der geschaffen und verteilt wird, auch eine ausschlaggebende Rolle. Wenn Sie beispielsweise ein kleines, mittelständisches Unternehmen sind und Möbel herstellen möchten oder im Lebensmittelsektor tätig sind, gibt es keine Einschränkung, die Sie beim Markteintritt beachten müssen.

Andererseits, wenn man sich den allgemeinen Werbemarkt in Malaysia genauer anschaut ist es wichtig eine Organisation namens Maya zu kennen. Maya hat Büros auf der ganzen Welt und veranstaltet regelmäßig Messen und Seminare. Sie sind auch sehr hilfreich bei der Bereitstellung aller Arten von Informationen, wovon das Meiste auch auf ihrer Website verfügbar ist.

Wir haben zudem noch viele andere Partner vor Ort, wie beispielsweise Handelskammern oder Botschaften. Sie alle erleichtern europäischen Unternehmen den Markteinstieg erheblich und geben Antwort auf die dringendsten Fragen.

Als Asian Insider sagen wir immer: wir beginnen dort zu arbeiten, wo andere aufhören. Deswegen zeichnen wir uns auch aus. Wir wissen, was wirklich vor Ort passiert und wo man sich “die Hände schmutzig” machen muss. Deswegen empfehlen wir Unternehmen immer, im Vorhinein so viele Informationen wie möglich zu sammeln und dann erst den besten Partner für sich auszuwählen.

Jari Hietala

In der Tat. Letzte Frage. Wir hatten das schon ein bisschen angesprochen. Ich möchte Sie bitten, Malaysia als Produktionsstandort mit den anderen ASEAN-Ländern zu vergleichen. Wir alle wissen, dass Länder wie Vietnam eine viel niedrigere Kostenbasis haben als Malaysia. Auch Indonesien, der größte potenzielle Markt in ASEAN, hat eine drastisch niedrigere Kostenbasis. Thailand hingegen hat einen viel größeren Markt. Viele Leute sagen zudem, dass Thailand wahrscheinlich der introvertierteste Markt ist. Wenn Sie also von Malaysia nach Thailand verkaufen möchten, ist dies wahrscheinlich schwieriger als der Verkauf von Thailand nach Malaysia.

Zwar macht die Tatsache, dass Malaysia eine offenere Wirtschaft ist und fast alle Partner vor Ort fließend Englisch sprechen, es für die meisten Europäer angenehm, dort Geschäfte zu machen, aber wie würden Sie Malaysia vergleichen? Was sind die Vor- und Nachteile Malaysias im Vergleich zu den anderen ASEAN-Ländern?

Volker Friedrich

Zunächst möchte ich aus meiner Erfahrung mit europäischen Unternehmen sprechen und was passiert, wenn wir diese darauf ansprechen, warum sie Ihr Geschäft nicht nach Asien ausweiten… Einer der häufigsten Fehler ist, dass Unternehmen ganz Südostasien als einen Markt ansehen, wenn sie vor Ort Geschäfte machen. Aber wie Sie ganz gut erklärt haben, handelt es sich um eine Kombination aus 10 sehr unterschiedlichen Märkten… In Kultur und Sprache sehr unterschiedlich und in den Strukturen, die die Gesellschaft und die jeweilige Wirtschaft ausmachen. Einfach in allem. Wenn Sie also Malaysia mit Anderen vergleichen möchten, müssen Sie es mit einem Land nach dem anderen vergleichen.

Für mich persönlich ist der wichtigste Punkt um Erfolg zu haben wirklich die Sprache. Das Verständnis der Landessprache, von Dokumenten, Texten und den Nachrichten. Malaysia ist im Wesentlichen aufgrund der Kolonialgeschichte ein englischsprachiges Land. Also nicht nur die Hauptstadt Kuala Lumpur, sondern auch, wenn Sie in die Städte weit außerhalb der Hauptstadt reisen. Das, glaube ich, wird manchmal vergessen. Denn, wenn man versucht, Herausforderungen in einem kleineren Dorf, beispielsweise außerhalb von Bangkok oder außerhalb von Ho Chi Minh zu meistern, muss man immer einen Übersetzer vor Ort haben.

Zusätzlich sind die Landessprachen auch nicht einfach zu erlernen. Wenn Sie Ihren Werksleiter beispielsweise nach Vietnam oder Thailand schicken möchten, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er oder sie die Sprache schnell lernt. Der Sprachvorteil Malaysias wird also unterschätzt und ist für mich einer der größten Vorteile insgesamt. Und wenn Sie die anderen Faktoren wie Infrastruktur, Lebenserhaltungskosten und Geschäftskosten vergleichen, haben wir natürlich alle die Rangliste von Nachrichtenmagazinen, wie dem Wirtschaftswissenschaftler oder sogar dem Weltwirtschaftsforum vor Augen.

Dort sehen Sie immer Ranglisten von Ländern in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit, einfache Geschäftsabwicklung, ein internationales Netzwerk und so weiter. Malaysia gehört immer zu den Top 20. Weltweit, also nicht nur im asiatischen Vergleich. Singapur sticht hierbei in den meisten Kategorien hervor, abgesehen von den Kosten natürlich. Und dann ist Malaysia unter den ASEAN-Ländern normalerweise die Nummer zwei oder die Nummer drei. Normalerweise sehen wir auch hier Singapur als Nummer eins und es gibt immer einen kleinen Kampf um die zweite Position zwischen Malaysia und Thailand. Dann haben wir darauffoglend Vietnam, Indonesien und die Philippinen. Anschließend kommen wir zur Gruppe der dritten Stufe, sozusagen die Mekong-Länder, zu denen natürlich Laos, Kambodscha, Myanmar und Brunei gehören, ein kleines Land, das man nicht vergessen sollte. So würde ich die 10 ASEAN-Länder positionieren.

Jari Hietala

Danke, Volker.

Ich denke, mit diesen weisen Worten schließen wir unsere Sitzung über die Produktionsmöglichkeiten in Malaysia ab. Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten vor Ort erfahren möchten oder wenn Sie Fragen an unseren Experten Volker Friedrich haben, können Sie uns online über die Webseiten von GBP International und Asian Insiders jederzeit kontaktieren. Schauen Sie sich auch unsere anderen Podcasts zu verschiedenen Sektoren und Ländern im asiatisch-pazifischen Raum an. Bleiben Sie auf dem Laufenden. Vielen Dank.

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